Schwertransport der seltenen Art

Großeinsatz für 250 Kilogramm wiegenden Patienten - Von Stefan Brand

PEGNITZ - Nächtlicher Großeinsatz der ungewöhnlichen Art: Ein 250 Kilogramm schwerer Patient musste am Freitagabend samt Krankenbett von der Sana-Klinik in Pegnitz auf die Intensivstation im Bayreuther Klinikum verlegt werden. Diese Aktion rief unter anderem die Feuerwehren aus Bayreuth und Pegnitz auf den Plan.

Es herrschte Ausnahmezustand am Pegnitzer Krankenhaus, als der diensthabende Arzt gegen 21 Uhr seinen Kollegen Dr. Harald Strauss anfunkte. Dieser war gerade dabei, seinen Wochenenddienst als Notarzt in Pegnitz anzutreten. Und mit seiner ganzen Erfahrung als leitender Notarzt an der Uni-Klinik Erlangen reagierte Strauss ohne Zögern.

Nachdem die Rettungsleitstellen in Bayreuth, Nürnberg und München bereits ihre Machtlosigkeit bekundet hatten, weil entsprechend ausgerüstete Fahrzeuge nicht zur Verfügung standen, und ein Intensivrettungswagen, der eigens aus Jena angereist war, das Problem auch nicht lösen konnte, suchte er den Kontakt mit der Feuerwehr in Bayreuth. Diese hat in ihrem Fuhrpark ein „Dekontaminationsfahrzeug Personen“, kurz: Dekon-P. „Es war die einzige Möglichkeit, die in diesem Moment praktikabel erschien“, so Strauss im KURIER-Gespräch.

Allerdings: Besäße die Pegnitzer Stützpunktfeuerwehr bereits ihr beantragtes Mehrzweckfahrzeug, das im kommenden Jahr angeschafft werden soll, hätte man das ganze Unternehmen um Stunden verkürzen können. Die Bayreuther Wehr räumte ihr Dekon-P aus und eilte gen Pegnitz. „Dann ging eigentlich alles ziemlich schnell“, so Strauss.

Mit Notstromaggregat

Der Pegnitzer Feuerwehrkommandant Werner Schiller hatte inzwischen mit zehn Mann seiner Truppe ein Notstromaggregat und acht Pressluftflaschen besorgt. Denn der schwergewichtige Patient aus dem Altlandkreis Pegnitz, der am Vormittag eingeliefert worden war, musste beatmet werden. Eine Infektion, ausgelöst durch einen sogenannten Krankenhauserreger – Strauss: „Viele Menschen haben ihn in ihren Nasenschleimhäuten, doch normalerweise wird der Körper damit fertig“ – hatte sich auf die Lunge des Mannes gelegt. Außerdem hing er an mehreren Geräten, die einer Stromversorgung bedurften.

Diese Apparate und das Bett – der Patient musste liegend transportiert werden – erhöhten das zu befördernde Gesamtgewicht auf rund 400 Kilogramm. Alarmiert hatte man auch die Polizei, weil die Fahrt nach Bayreuth nicht schneller als mit 30 bis 40 Stundenkilometern erfolgen durfte. Eskortiert von Streifenwagen machte sich der Konvoi von BRK, Feuerwehr und Polizei auf den Weg nach Norden. Und gegen 2 Uhr kamen Kommandant Schiller und seine Leute schließlich wieder in Pegnitz an. Mit dabei: Die begleitende Krankenschwester und die medizinisch-technischen Geräte. Gegenüber dem KURIER lobte Dr. Strauss die hervorragende Kooperation aller beteiligten Rettungskräfte. „Das ist nicht überall so“.

Ein schweres Stück Arbeit nicht nur für die Männer der Pegnitzer Feuerwehr: Mit einem Fahrzeug, das eigentlich für Gefahrgutunfälle gedacht ist wurde der 250 Kilogramm schwere Patient nach Bayreuth transportiert.

Ein Bericht des Nordbayerischen Kurier