Nur Feuerwehr hatte Panzer im Einsatz

Pegnitzer Delegation beeindruckt von den Investitionen der US-Army am Truppenübungsplatz
VON RICHARD REINL

Gespenstische Ruhe lag über dem Truppenübungsplatz: Im Südlager Vilseck herrschte gähnende Leere, bei den wenigen Panzern in den Parkanlagen handelte es sich um Relikte aus den Weltkriegen und auch die Schießbahnen waren verwaist. Trotzdem zeigte sich die Feuerwehr Pegnitz bei ihrem Besuch tief beeindruckt von den Investitionen der USA.

PEGNITZ/GRAFENWÖHR In großen Lettern stand ?Krieg? auf dem Bus der Pegnitzer. Doch das Firmenlogo war bei der stundenlangen Erkundung der Trainings-Area zwischen Grafenwöhr und Vilseck lange Zeit das einzige, was rund um riesige Wälder, perfekt geteerte Aufmarschstraßen und aufwändige technische Einrichtungen an den eigentlichen Auftrag der Einrichtung in der Oberpfalz hinwies.

Aber die Lage kann schnell eskalieren, wie sich bei der geplanten Besichtigung der Kirchenruine von Hopfenohe zeigte, deren Altar heute in Troschenreuth steht. Plötzlich bogen US-Mannschaftswagen um die Ecke, aus dem Gebüsch rundherum stürmten Partisanen heran und ehe sich die Pegnitzer versahen, lagen auch schon ?Tote? und ?Verletzte? hinter dem Lkw. Selbst der Bundeswehr-Begleiter der Besuchergruppe wunderte sich, war doch die Übung im täglichen Sicherheits-Briefing gar nicht angekündigt. Bevor auch noch die Räumung der angeblich verminten Kirche begann, riet ein US-Boy: ?Es ist besser, der Bus fährt weg.?

Der Bundeswehr-Offizier erklärte die sonstige ungewöhnliche Ruhe: ?Die 3. Brigade ist nach ihrem Kosovo-Einsatz wieder in die USA zurück gekehrt, die nachfolgende Aufklärer-Brigade noch nicht in Deutschland eingetroffen.? Außerdem werde heute weit weniger scharf geschossen, sondern viel mehr per Elektronik simuliert.

Dass der Übungsplatz in den nächsten Jahren eher noch deutlich an Gewicht gewinnt, zeigen die allenthalben stehenden Baukräne. So entsteht etwa nahe Grafenwöhr mit der ?Wohnsiedlung Netzaberg? ein weiteres Lager, ähnlich autark wie das Südlager Vilseck, also mit allen wichtigen Einrichtungen versehen, von der Schule bis zum Einkaufsmarkt. Dazu kommen überall in den Camps ?Algier?, Aachen? oder ?Normandy? Sporteinrichtungen und zudem die einzige Unteroffiziersschule der US-Army in Europa.

Nach dem reichhaltigen Mittagessen bekam die Feuerwehrgruppe dann doch noch einen rollenden Panzer zu sehen. Er gehörte aber bezeichnenderweise zum Fuhrpark des Fire Department in Grafenwöhr, einer rund um die Uhr besetzten schnellen Eingreiftruppe, die im Jahr rund 1100 Mal ausrücken muss, zu Waldbränden wie zu Panzerbergungen.

Sie hat auch einen 600 000 Euro teuren Spezial-Truck in der Garage, mit dem nach etwaigen Atom- oder Giftgasunfällen bis zu 200 Einsatzkräfte dekontaminiert werden können. Er war bisher nie im Einsatz und alle hoffen, dass das auch so bleibt.

Ein Bericht der Nordbayerischen Nachrichten