Feuer: Hausbewohner schrieen um ihr Leben

Verdacht auf Brandstiftung — Junge Frau erlitt Rauchvergiftung —
Wohnhaus komplett evakuiert

PEGNITZ
— Vermutlich Brandstiftung ist die Ursache eines Wohnungsbrandes in einem Mehrfamilienhaus Am Waidmannsbach. Eine 18-Jährige erlitt eine Rauchvergiftung und verbringt die Nacht zur Überwachung im Krankenhaus. Zwei weitere Personen erlitten ebenfalls leichte Verletzungen, die von der Schnelleinsatzgruppe des BRK vor Ort versorgt werden konnten.

Kurz nach 17 Uhr geht bei der Feuerwehr der Notruf ein: „Am Waidmannsbach brennt s“. Die schnell eintreffenden Feuerwehren aus Pegnitz, Neudorf, Trockau, Buchau, KSB, Bronn, Hainbronn und Troschenreuth mit 80 Einsatzkräften unter Leitung von Kreisbrandrat Ludwig Lauterbach und 20 Kräfte des Rettungsdienstes unter Kreisbereitschaftsleiter Peter Maisel evakuierten 20 Anwohner aus dem Gebäude. Die Schadenshöhe liegt deutlich über 50 000 Euro.

Nach mehreren Zeugenaussagen besteht der Verdacht, dass die 20-jährige Wohnungsinhaberin den Brand vorsätzlich gelegt hat. Die Frau ist derzeit flüchtig. Durch den starken Qualm entstand auch in den oberen Stockwerken großer Schaden. Die Anwohner müssen die Nacht bei Freunden oder Bekannten verbringen, da die Wohnungen nicht mehr benutzbar sind. Fünf Hausbewohner verbringen die Nacht im Evangelischen Gemeindehaus in Pegnitz.

Aus dem ersten Stock schlagen Flammen, Menschen stehen an den Fenstern und schreien verzweifelt um Hilfe. Dicker Qualm versperrt ihnen den Weg durchs Treppenhaus. Immer wieder bersten mit lautem Knall Fensterscheiben. Den Wehren gelingt es, alle Menschen aus dem Haus zu retten.

Während die Feuerwehr auf einer Drehleiter noch mit Löschen beschäftigt ist, packt ein Mann auf der Wiese hinter dem Haus seinen Rucksack aus. Eine Colaflasche ohne Inhalt, aufgeplatztes Joghurt hat sich mit zerflossenen Klosteinen vermischt. Die Verpackungen sind durch die Hitze verschrumpelt

Und er redet vor sich hin: „Das ist das einzige, das ich aus meiner Wohnung mitgenommen habe. Alle meine Papiere sind noch oben.“

„Oben“ heißt, ein Stockwerk über der ausgebrannten Wohnung. Gegen 17 Uhr kam er nach Hause. „Vom Einkaufen“, wie er sagt. „Im Treppenhaus hat’s schon komisch gerochen, aber ich dachte, da hat jemand das Essen anbrennen lassen.“

Er geht in seine Wohnung, kurz darauf hört er einen Knall. Am Fenster sieht er Flammen aus der Wohnung unter ihm lodern. Er packt seinen Rucksack, will durchs Treppenhaus nach unten. „Doch das ging nicht. Da war alles schwarz und voller Rauch.“

Er zieht sich in die Wohnung zurück, rennt an ein Fenster und schreit. Schreit um Hilfe. Endlose Minuten vergehen, ehe ein Feuerwehrmann von außen eine Leiter ans Fensterbrett im zweiten Stock lehnt. Immer wieder sagt ihm der Feuerwehrler, er soll ja nicht springen. Soll warten, er sei gleich bei ihm. Der Mann wird angeschnallt und kann über die Leiter ins Freie gerettet werden.

Für ihn und alle Umstehenden ist die Sache völlig klar: Die Mieterin selbst hat das Feuer gelegt. „Die hatte doch einen Kn. . . “

Laute Partys soll sie gefeiert haben. Immer mit wechselnden Partnern. „Ihr Freund sitzt noch bis Dezember im Gefängnis, weil er sie mit einem Messer bedroht hatte“, erzählt man sich. Ein Umstehender will gehört haben, dass sie eine Stunde vor dem Brand noch gedroht habe: „Euch zünd’ ich alle an. Ich fackel das Haus ab!“ Angeblich, weil man ihr gekündigt hatte.

Die Polizei hält sich bedeckt: „Wir versuchen gerade, der Mieterin habhaft zu werden. Alles weitere wird sich finden“, so Polizeipressesprecher Thomas Schmidt.

Ein Bewohner kommt gerade aus der Arbeit. Ein Polizist teilt ihm mit, dass seine 18-jährige Tochter ins Krankenhaus gebracht wurde. Dass es nur eine leichte Rauchvergiftung ist, kann ihn im Augenblick nicht trösten.

Trotz aller Schrecknisse hatten die Bewohner noch Glück. Im angrenzenden Nebenhaus, keine 15 Meter weiter verläuft die Gasleitung an der Fassade entlang. MANUELA MEYER

Ein Bericht der Nordbayerischen Nachrichten