UNIFIL Einsatz
Das Jahr 2009 ist Vergangenheit und hinter uns liegen viele schöne, aber auch einige anstrengende Erlebnisse. Das für uns mit Sicherheit schönste Erlebnis in 2009 war der Besuch der Besatzung in der Patenstaadt, eine solch begeisternde Gastfreundschaft und Herzlichkeit hatten wir nicht erwartet und noch jetzt spricht die Besatzung voller Begeisterung von diesen tollen Tagen.
Ein weiterer Höhepunkt war sicherlich der Besuch der Delegation aus Pegnitz anlässlich des 50. Geburtstages des 5. Minensuchgeschwaders in Kiel - hier erhielten wir einen ersten Vorgeschmack darauf, wie man in Pegnitz Feste feiert... Das restliche Jahr war für uns im Wesentlichen geprägt durch die Vorbereitung auf den UNFIL-Einsatz, viel Schweiß, Zeit und Mühen wurden investiert, um einen guten Ausbildungsstand und materiellen Klarstand für diese Unternehmungen herzustellen.
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In den letzte Tagen und Wochen ist hier im Einsatzgebiet einiges passiert, jedoch stehen der Routinedienst mit Patrouillen im Seegebiet vor dem Libanon, das Abfragen von Frachtern und die Ausbildung der libanesischen Marine nach wie vor im Vordergrund und bilden den Löwenanteil unserer Arbeit hier. Die Besatzung erträgt dieses mit Gelassenheit, viele wussten ja schon aus dem vorherigen Einsatz in 2008, was sie erwartet.
Wie befürchtet, sind die Wintermonate im östlichen Mittelmeer oftmals sehr ungemütlich. Gerade im Dezember folgte ein Strumtief auf das andere, Wellenhöhen zwischen zwei und drei Metern waren leider keine Seltenheit - tatsächlich hatten wir im Dezember nicht einen Seetörn ohne "Hacksee". Am 21. Dezember wurden wir in der Nacht von einer mächtigen Windhose getroffen, die über das Achterdeck fegte. Die Ausgucks hatte diese erst im letzten Moment durch ein herabzuckenden Blitz in der Dunkelheit ausgemacht und konnten sich buchstäblich im letzten Moment in die Brücke retten, für ein Ausweichmanöver war es jedoch schon zu spät.
Die Windgeschwindigkeit in der Windhose ließ sich mit unseren Geräten nicht mehr messen. Glücklicherweise blieben wir von Schäden verschont, nur ein Fender war danach unauffindbar und ein Holzbrett (die Tischplatte des Sefuchs-Tisches) hinterließ eine mächtige Beule in einer Rohrleitung an Oberdeck und wurde anschließend hinter den Seefuchs-Spinden wiedergefunden. Das Seegebiet ist also nicht zu unterschätzen, die Wetterlage kann sich innerhalb weniger Stunden völlig ändern und insbesondere im Norden des Libanon hat man binnen weniger Stunden aufgrund der immer wieder entstehenden kalten Fallwinde aus den Bergen auch direkt unter der Küste bis zu drei Metern Seegang.
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Im Dezember wurden die Wetterverhältnisse dann auch zwei Frachtern zum Verhängnis: Am 11. Dezember sank der Frachter "Salah II" mit 11 Besatzungsmitgliedern an Bord knapp 24 Seemeilen vor der Küste westlich der Grenze zwischen Israel und dem Libanon, nur eine Handvoll konnte gerettet werden. Die Initialzündung zur Rettungsaktion innerhalb des Marineverbandes ging hierbei von der "Pegnitz" aus, wir hatten den Seenotspruch während des Transits aufgefangen und weitergeleitet, kamen jedoch aufgrund unserer Entfernung zur Unglücksstelle (circa 80 Seemeilen) nicht zum Einsatz. Die türkische Fregatte "Zafer" stand günstiger und beteiligte sich an der Rettung.
Dieses Unglück trat in Deutschland gar nicht so in den Fokus. Am 17. Dezember sank der Frachter "Danny F II" 12 Seemeilen vor Tripoli, 32 Seeleute der über 80 Mann starken Besatzung werden noch immer vermisst. "Pegnitz" lag zum Zeitpunkt des Unglücks zur Instandsetzung in Limassol und kam erst kurz vor Ende der Rettungsaktion zum Einsatz.
Leider war es uns nicht mehr möglich, Überlebende zu retten, glücklicherweise aber kamen wir auch niht in die Lage, so kurz vor Weihnachten Leichen bergen zu müssen. Wir haben mit Besatzungsangehörigen der "Mosel" und der "Laboe" gesprochen und wissen daher, welch unschöner Kelch an uns vorüberging. So weit wir wissen, haben die Medien in Deutschland über diesen Unglücksfall recht ausführlich berichtet. Beide Fahrzeuge führen zum Unglückszeitpunkt wohl quer zur aufgewühlten See.
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Das Weihnachtsfest verbrachten wir recht beschaulich im Hafen von Limassol, in den wir am 24. Dezember erst festgemacht hatten. Am Heiligabend fand ein kleiner Feldgottesdienst im Hafen, gefolgt von einem gemütlichen Beisammensein mit Glühwein und Gebäckim Rahmen des gesamten deutschen Kontingents statt.
Am 25. Dezember fand unser interne Weihnachtsfeier statt, zur Entlastung der Smuts hatten wir aus den zur Verfügung stehenden Betreuungsgeldern einen Catering-Service engagiert. Der Abend klang mit einem standesgemäßten "Schrottwichteln" aus. Den Jahreswechsel verbrachten wir vor der libanesischen Küste in Höhe Tripoli, das Feuerwehrk an Land beobachtete fast die gesamte Besatzung aus den Nocken heraus, dem Anlass entsprechend wurd natürlich ein Sekt "pro Nase" freigegeben und es gab (alkoholfreises) Bier.
Sehr gefreut haben wir uns über den großen Zuspruch aus der Patenstadt! Die vielen lieben Grüße, Wünsche, emails und Briefe und natürlich die zahlreichen "CARE-Paktete" mit Naschwerk haben uns viel Freude bereitet. Ganz herlischen Dank dafür"
Die Zigarren vom Segelverein wurden in der Masse zu Sylvester "verraucht", an den Nürnberger Leckereien der Marinekameradschaft arbeiten wir jetzt noch.
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Es ist unglaublich schön zu sehen und zu spüren, das ihr mit den Gedanken auch bei uns seid und uns so herzlich unterstützt. Wir können nur hoffen, dass wir auch euch mit unseren Weihnachtskarten eine kleine Freude bereiten konnten - zur Sicherheit habe ich diesem Brief noch ein paar Exemplare beigelegt.
Ebenso begefügt habe ich eine DVD mit einigen Fotos, die während der vergangenen Monate entstanden sind. Bitte nicht wundern: Die Bilder sind nicht sotiert oder zensiert... aber für den internen Gebrauch natürlich freigegeben.
Mittlerweile manifestieren sich die Daten für unsere Heimkehr: Wir werden voraussichtlich am 18. März aus Limassol auslaufen und werden am 02. April in Kiel erwartet. Die Planung des Rücktransits läuft jetzt so langsam bereits an, aktuell sind wir in der Abstimmung mit der "Laboe", welche Häfen wir für die erforderlichen Bunkerstopps nutzen wollen. Wir werden euch über die weiteren Entwicklungen natürlich auf dem Laufenden halten!
Einstweilen verbleibe ich, auch im Namen der Besatzung, mit den besten Wünschen für das Neue Jahr. Wir freuen uns auf die Heimat und auf ein Wiedersehen mit unseren Freunden aus Pegnitz.
Glück Auf!
Mario Bünnagel
Korvettenkapitän
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